Datenstrategie entwickeln: In 5 Schritten zum richtigen Setup finden

Thorsten Brandhuber

18. Februar 2026
Datenanalyse

Viele Unternehmen sitzen auf wertvollen Daten und wissen nicht, was sie damit anfangen sollen. Laut einer Erhebung des Business Application Research Center halten 94 Prozent aller Unternehmen eine Datenstrategie für relevant, aber in der Praxis scheitern 70 Prozent aller Dateninitiativen schlicht daran, dass der Bezug zum Tagesgeschäft fehlt.

🧠 Wissen in Kürze

  • Keine KI ohne Datenstrategie: Bevor Sie KI-Projekte starten, brauchen Sie eine saubere Datenbasis, denn KI-Modelle sind nur so gut wie die Daten, auf denen sie trainiert werden.
  • Zentralisierung vs. Dezentralisierung: Sie können Ihre Datenstrategie entweder zentral organisieren, um Konsistenz zu sichern, oder dezentral aufstellen, damit einzelne Abteilungen eigenständig agieren können.
  • Governance ist kein Bürokratieprojekt: Eine durchdachte Data Governance gibt Ihren Teams klare Spielregeln und schützt Sie gleichzeitig vor Compliance-Risiken.

Schritt #1: Den Ist-Zustand unter die Lupe nehmen

Bevor Sie irgendetwas planen, müssen Sie wissen, wo Sie überhaupt stehen. Das klingt selbstverständlich, aber in der Praxis überspringen erschreckend viele Unternehmen diesen Schritt.

Ein sauberer Data Audit bedeutet: Sie erfassen systematisch, welche Daten Sie besitzen, wo diese liegen, wer darauf zugreift und wo Lücken oder Qualitätsprobleme schlummern. Das betrifft ERP-Systeme genauso wie CRM-Datenbanken, Produktionsdaten, externe Quellen und alles, was irgendwo in Excel-Tabellen auf Mitarbeiter-Laptops sein Dasein fristet. Gerade in mittelständischen Unternehmen in Österreich ist das letzte Szenario keine Ausnahme, sondern die Regel.

Relevante Fragen für diese Phase:

  • Datenquellen: Welche Systeme liefern aktuell Daten und in welchem Format liegen diese vor?
  • Datenqualität: Sind die vorhandenen Bestände bereinigt, vollständig und konsistent?
  • Datenschutz: Welche Bestände fallen unter die DSGVO und wie ist der Zugriff geregelt?

Ohne diese Bestandsaufnahme bauen Sie Ihre gesamte Strategie auf einem Fundament, das Sie selbst nicht kennen.

Schritt #2: Ziele setzen, die zum Geschäft passen

Eine Datenstrategie, die losgelöst von den Unternehmenszielen existiert, ist ein teures Hobby. Der häufigste Fehler: Die IT entwickelt eine technisch beeindruckende Architektur, während die Geschäftsführung auf bessere Entscheidungsgrundlagen wartet und beide reden aneinander vorbei.

Der Schlüssel liegt darin, Geschäftsziele in konkrete Datenanforderungen zu übersetzen. Steht zum Beispiel eine Reduktion der Lagerkosten um 15 Prozent auf der Agenda, folgt daraus eine klare Anforderung an Bestands- und Lieferdaten in Echtzeit. Aus dem Ziel ergibt sich der Use Case, aus dem Use Case die Anforderung an Infrastruktur und Qualität.

Gartner hat nachgewiesen, dass CDOs, die ihre Datenarbeit mit quantifizierten Geschäftsergebnissen verknüpfen, messbar erfolgreicher sind als jene, die das nicht tun. Ziele, die mit konkreten KPIs hinterlegt sind, holen auch das Management ins Boot, das Investitionen sonst schnell als Kostenpunkt verbucht.

Schritt #3: Die Architektur auf Ihr Unternehmen zuschneiden

Technologieentscheidungen kommen zu früh, wenn die strategische Basis fehlt. Aber wenn die Ziele klar sind, brauchen Sie eine Architektur, die diese Ziele tatsächlich trägt.

Dabei geht es nicht darum, die modernste Technologie zu kaufen. Es geht darum, eine Infrastruktur zu schaffen, die Ihre Daten integriert, nutzbar macht und skalierbar bleibt. Moderne Ansätze wie Data Mesh erlauben es, Datenverantwortung direkt in die Fachbereiche zu verlagern, anstatt alles in einer zentralen IT zu bündeln. Das reduziert Flaschenhälse erheblich.

Folgende Fragen helfen bei der Architekturentscheidung:

  • Integration: Wie werden Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammengeführt?
  • Zugriff: Welche Teams brauchen welche Daten und wie schnell müssen diese verfügbar sein?
  • Skalierbarkeit: Wächst die Architektur mit, wenn das Datenvolumen in zwei Jahren verdoppelt wird?

Schritt #4: Verantwortlichkeiten klar regeln

Data Governance ist der Teil der Datenstrategie, den viele gerne hintenanstellen. Das rächt sich fast immer. Ohne klare Regeln darüber, wer Daten pflegt, freigibt und verantwortet, entsteht ein Zustand, in dem niemand zuständig ist und die Datenqualität schleichend verfällt.

Konkret bedeutet das, dass Sie Rollen definieren müssen: Wer ist Data Owner für welchen Bereich? Welche Standards gelten für die Benennung, Klassifizierung und Qualitätssicherung von Datensätzen? Und wie wird sichergestellt, dass neue Datenquellen nicht ohne Prüfung ins System wandern?

Gut aufgesetzte Governance-Strukturen schützen Sie nicht nur vor internen Konflikten. Sie sind auch die Voraussetzung dafür, dass Audits, Compliance-Anforderungen und zukünftige KI-Projekte überhaupt funktionieren können.

Schritt #5: Mit einem konkreten Use Case starten

Viele Datenstrategien sterben in der Planungsphase. Der Grund ist meist derselbe: Das Projekt wird so umfassend gedacht, dass der erste messbare Schritt in weite Ferne rückt.

Der bessere Weg führt über einen klar definierten ersten Use Case, der maximale Wirkung mit realistischem Aufwand verbindet. Dieser Proof of Concept zeigt intern, dass die Strategie nicht nur Theorie ist und er schafft Vertrauen für die nächsten Investitionsentscheidungen. Wichtig dabei ist, dass Sie von Anfang an messen, wie sich der Use Case auf das Geschäftsergebnis auswirkt. Zahlen überzeugen Vorstände und Geschäftsführungen schneller als jede Präsentation.

Die Datenstrategie ist damit kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein lebendiger Prozess. Regelmäßige Überprüfungszyklen und Feedback aus den Fachbereichen sorgen dafür, dass die Strategie mit dem Unternehmen wächst und nicht nach zwei Jahren in der Schublade landet.

Der erste Schritt ist der schwerste, aber er lohnt sich!

Wer die fünf Schritte konsequent durchläuft, hat am Ende keine Sammlung schöner Folien, sondern ein echtes Setup, das Daten in Geschäftswert verwandelt. Die Frage ist nicht, ob Ihr Unternehmen eine Datenstrategie braucht. Die Frage ist, wie lange Sie es sich noch leisten können, ohne eine zu arbeiten.

Bei FirstData unterstützen wir Unternehmen dabei, genau diesen Weg strukturiert zu gehen, vom ersten Audit bis zur laufenden Strategie. Wenn Sie wissen möchten, wo Ihr Unternehmen heute steht und welche Schritte als nächste sinnvoll wären, sprechen Sie uns an.

Thorsten Brandhuber

Als Geschäftsführer von FirstData ist Thorsten Brandhuber Experte für alle Fragen rund um die Datenanalyse, Big Data, Datenschutz und alle Themenbereiche, die sich daran anschließen.